Welchen Anlageempfehlungen und Finanztipps können Sie wirklich vertrauen?

Wer mehr aus seinem Geld machen möchte, aber kein ausgewiesener Finanzexperte ist (und vielleicht auch gar nicht werden möchte), ist in der Regel auf Hilfe - in Form von Tipps und konkreten Empfehlungen - angewiesen. Tatsächlich gibt es dafür eine ganze Menge an Quellen. Daran kann es also nicht liegen, dass in Deutschland Unsummen auf niedrig verzinsten Konten und unter dem Kopfkissen gehortet werden. Bei der Flut an verfügbaren Informationen stellt sich dem Ratsuchenden eher die Frage, was wirklich relevant und seriös ist - wem man wirklich vertrauen kann...

Wie vertrauenswürdig sind Finanzinformationen?

Im letzten Beitrag hatte ich aufgezeigt, wo sich die Bundesbürger am liebsten über Kapitalanlagen informieren. Ganz gleich welchen Weg Sie dabei bevorzugen, am Ende zählt für Sie vor allem eines: Wie vertrauenswürdig und gut sind die Informationen, auf deren Basis Sie Ihr Geld anlegen?

 

Um die Seriosität von Informationen einschätzen zu können, sollten Sie sich immer über den Hintergrund des Informanten im Klaren sein. Welche Ziele verfolgt er bzw. welche Vorteile hat er davon, mir Informationen zur Verfügung zu stellen? Denn sind wir ehrlich - wirklich ohne Hintergedanken (die müssen ja nicht unbedingt negativ sein) opfert heute kaum jemand seine Zeit für andere und stellt sein Wissen zur Verfügung.

 

Deshalb lassen Sie uns hier einmal die Vertrauenswürdigkeit unterschiedlicher Informationsquellen genauer beleuchten:

Finanzberater

Schenkt man diversen Umfragen glauben, steht es um das Vertrauen in alle Arten von Finanzberatern nicht sonderlich gut. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die "Hintergedanken", die einem Finanzberater unterstellt werden können, leicht auf einen Punkt zu bringen sind:

 

"Der will mir doch nur das verkaufen, woran er am meisten verdient!"

 

Klar, der Finanzberater möchte mit seiner Arbeit Geld verdienen. Wenn er einem Anleger etwas empfiehlt, könnte er dabei deshalb mehr seinen eigenen Vorteil im Hinterkopf haben. Er könnte also eine für den Anleger eher ungünstige Empfehlung abgeben, wenn es ihm persönlich einen größeren Vorteil bringt.

 

Diese möglichen "Hintergedanken" sind nicht von der Hand zu weisen und auch dem Gesetzgeber und den Regulierungsbehörden bekannt. Sie werden als "Interessenkonflikt" des Finanzberaters bezeichnet. Um Anleger zu schützen, müssen diese über solche Interessenkonflikte und die Vergütung des Beraters informiert werden.

Internet

Im Internet findet man als potenzieller Anleger Ratschläge, Tipps und Angebote ohne Ende. Doch auch hier sollte kritisch hinterfragt werden: Wie soll ein (kostenfreies) Informationsangebot im Internet funktionieren? Wer pflegt die Seiten, wer recherchiert und schreibt die Beiträge? Wie finanziert sich das Ganze?

 

Was wertvolle Information, eher Banales oder nur reine Werbung ist, lässt sich inzwischen auf den ersten Blick kaum noch erkennen. Seit Anbieter erkannt haben, dass sich niemand gerne Werbung anschaut (es sei denn, sie ist sehr unterhaltsam oder witzig), werden Werbebotschaften gut verpackt - man geht eher manipulativ vor. Die tatsächliche Quelle der Information ist für den Leser oft gar nicht mehr erkennbar,

 

Vielleicht werden nur gut geschriebene Pressemitteilungen von Anbietern veröffentlicht und man finanziert sich über Produktvermittlungen oder Werbung (dies ist anzunehmen, wenn für Informationen nichts bezahlt werden muss). Werbung übrigens, die immer weniger als solche erkennbar ist, weil sie inzwischen weit über die klassischen Werbebanner hinausgeht und direkt in den Inhalten platziert wird. Interessenkonflikte sind also auch hier zu erkennen.

Blogs

Es gibt eine Reihe von Finanzbloggern, die teilweise sehr gute Tipps und Informationen liefern. Das ist allerdings mit einem sehr hohen zeitlichen Aufwand verbunden, entsprechend professionell sind auch manche Blogger geworden:

 

Um zumindest eine teilweise Refinanzierung des Aufwands zu erhalten, werden auch hier Werbebanner geschaltet, Produkte empfohlen, die dem Blogger Vergütungen einbringen, oder kostenpflichtige weitere Informationen (Newsletter, E-Books oder Bücher) angeboten.

 

Kritisch wird es allerdings, wenn es bei sich bei einzelnen Artikeln um "Auftragsarbeiten" handelt. Dabei erhält der Blogger von einem Dienstleister oder Produktanbieter eine Vergütung, wenn er einen Beitrag über dessen Angebot schreibt und veröffentlicht. Klar, dass der möglichst positiv ausfallen sollte, wenn man an Folgeaufträgen interessiert ist...

 

Ganz unkritisch und unbedarft darf man also auch hier nicht ans Werk gehen!

Grafik Interessenkonflikte bei der Verbreitung von Finanztipps
Interessenkonflikte existieren bei fast allen Anbietern, die kostenfreie Informationen für die Geldanlage liefern. Nicht immer sind diese auf den ersten Blick erkennbar. Darüber sollten sich Anleger bei ihren Recherchen bewusst sein.

"Kommerzielle" Verbraucherschützer

Neben den staatlich finanzierten Verbraucherzentralen gibt es noch weitere Marktteilnehmer, die zwar kommerzielle Ziele haben, sich aber gerne unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes tarnen.

 

Dazu gehören Portale, die "neutrale" Informationen zum "Schutz der Verbraucher" anbieten wollen, sich aber gleichzeitig dadurch finanzieren, dass man die empfohlenen Lösungen gleich über einen Link beim Anbieter abschließen kann. Dafür erhält das Portal dann eine Provision vom Anbieter - also ebenfalls ein klassischer Interessenkonflikt. Teilweise wird erklärt, dass dies natürlich keinerlei Einfluss auf die Berichterstattung hat - genau das unterstellt man aber bei anderen Anbietern. Sind hier bessere Menschen am Werk?

 

Aber immerhin gibt es hier diese Hinweise und zwar so offen, dass man als Nutzer auch darauf stößt. Bei zahlreichen Vergleichsportalen sind die nur schwer zu finden:

Vergleichsportale

Hier gewinnt man als Nutzer den Eindruck, das Ziel sei dem Verbraucher die günstigste und beste Lösung (soweit es so etwas überhaupt gibt) herauszusuchen - natürlich kostenfrei.

 

Bei der Transparenz hapert es allerdings, denn nach welchen Kriterien tatsächlich verglichen wird und ob die für meine individuellen Ziele überhaupt wichtig oder relevant sind, ist kaum erkennbar. Letztendlich sind diese Vergleichsportale nichts anderes als Online-Vermittler, die sich durch die Provisionen der Produkt- und Dienstleistungsanbieter finanzieren. Entsprechende gesunde Skepsis ist also auch hier angebracht.

Freunde und Verwandte

Interessenkonflikte sollte es bei Ratschlägen von Freunden und Verwandten eigentlich nicht geben. Extremfälle, bei denen es dem Empfehlenden mehr um Prämien für "Kunden werben Kunden"-Programme als um Ihren Vorteil geht, lasse ich mal außen vor.

 

Hier sollten Sie vor allem zwei Dinge hinterfragen:

 

  1. Bin ich in einer vergleichbaren Situation wie der andere? Passt die Lösung, von der der Freund oder Verwandte so begeistert ist wirklich auch zu meinen Zielen und meiner Mentalität?
  2. Wie steht es um die Kompetenz des Empfehlenden in diesem Bereich? Kann er das, was er mir empfiehlt, tatsächlich mit allen Chancen und Risiken richtig einschätzen?

 

Gerade kriminelle Machenschaften wie Schneeballsysteme verbreiten sich vor allem über Empfehlungen im Freundes- und Bekanntenkreis. Eine Zeit lang funktioniert alles prächtig - es fließen regelmäßig hohe und scheinbar "garantierte" Erträge - am Ende aber (wenn genug Anleger dabei sind) ist das Geld plötzlich futsch.

Zeitungen, Zeitschriften und TV

Auch für die klassischen Medien gilt: Hinter jeder Zeitung, Zeitschrift oder Sendung steht eine Redaktion und ein Unternehmen. Ein Unternehmen, das Umsätze erzielen und Gewinne erwirtschaften muss. Ohne Werbeeinnahmen ist das kaum möglich und daher sind auch hier mögliche Interessenkonflikte nicht von der Hand zu weisen.

 

Gerade die Abwanderung der Nutzer (und damit auch der Werbebudgets) ins Internet sorgt für eine angespannte Lage. Einnahmen brechen weg, die Personalausstattung muss entsprechend angepasst werden. Die Auflage bzw. Zuschauerzahlen halten, Kosten senken und Werbekunden gewinnen gleicht der Quadratur des Kreises.

 

Fast zwangsläufig muss darunter die Qualität der Berichterstattung leiden. Es geht immer mehr darum, die Aufmerksamkeit des Lesers oder Zuschauers zu gewinnen oder zu erhalten. Gut recherchierte, aber vielleicht nicht ganz so aufsehenerregende Berichte bleiben auf der Strecke.

 

Zudem ist bei manchen Medien festzustellen, dass die wichtige Trennungslinie zwischen Redaktion und Werbung immer mehr verwischt. Gezielte Produktwerbung ist teilweise kaum noch von Beiträgen zu unterscheiden und (positiv) berichtet wird nur noch über denjenigen, der auch Werbeplätze bucht.

Fazit: Es hilft alles nichts...

Wenn Sie eindeutige Ratschläge wie "schauen Sie unbedingt hier" oder "informieren Sie sich am besten dort" erwartet haben, muss ich Sie leider enttäuschen. Am Ende führt kein Weg daran vorbei: Sie müssen die für Sie glaubwürdigen Informationsquellen selbst entdecken.

 

Das wird Ihnen zunehmend leichter gelingen, je mehr Sie sich mit der Geldanlage beschäftigen. Auch wenn Sie dabei nicht zu tief einsteigen wollen, ist mir wichtig, dass Sie sich der vorhandenen Interessenkonflikte der Akteure bewusst werden und Dinge hinterfragen.

 

Meine Meinung: Wer sich die Arbeit macht und gute Tipps und Informationen für andere aufbereitet und zusammenstellt, muss das nicht umsonst tun. Er darf gerne finanziell oder auf andere Weise davon profitieren. Ein professioneller Berater muss für seine Arbeit etwas verlangen, eine Website oder ein Blog darf sich durch Werbung finanzieren und Verlage dürfen Anzeigen verkaufen. Kritisch wird es immer dann, wenn vorhandene Interessenkonflikte verschleiert oder verleugnet werden!

 

Sie werden bald feststellen, dass es in jeder Gruppe (Finanzberater, Internet usw.) Anbieter gibt, die mehr auf den schnellen Gewinn, hohe Zugriffszahlen, Effekthascherei, Adressgenerierung und Auflagenstärke abzielen. Es gibt aber auch die anderen, die ihre eigenen Interessen hintenanstellen, um mit Ihnen eine möglichst lange und dann für beide Seiten erfolg- und ertragreiche Beziehung (ob als Kunde, Nutzer oder Leser) aufzubauen.

 

Finden Sie so nach und nach "Ihre" Quellen wertvoller Anlageempfehlungen und Finanztipps. Mit Informationen, die für Sie relevant, verständlich und nachvollziehbar sind.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei und freue mich über Ihre Kommentare!


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Autor: Alexander Rabe

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